bad alchemy no. 73
Diese 25 Minuten entstanden als jungfraeulicher Dreier. Denn Rupp hatte vorher nur mit Shirley oder mit Lingens gespielt, die sich wiederum von OBLIQ her vertraut sind. Aber ein Trio funktioniert nun mal anders. Rupp hatte die Akustische dabei, Shirley sein Cello, und Lingens, als Umlaut-Mann quasi der Gastgeber, passte sich dem mit weniger phonstarken Aktionen an. Dabei ist Rupp auch auf der Akustischen nicht als Leisetreter bekannt. Zwar zeigten seine juengeren Einspielungen auf Gligg eine vermehrte Ausdifferenzierung seiner druckvollen, nahezu manischen Pointillistik. Aber seine Finger sind jederzeit dick genug, um zwei Berliner Reduktionisten noch vor dem Fruehstueck zu schnupfen. Nicht dass ich Shirley darauf reduzieren moechte, aber Titel wie The Whispering Land (mit Hotelgaeste) oder The Shadow of Your Smile (mit Ruby Ruby Ruby) deuten doch auf eine Tendenz hin (die er freilich in seiner Arbeit mit Monno kontrastiert hat). Auch 'oblique' - indirekt, verdeckt, verbluemt - ist nicht gerade ein Synonym fuer Rupp. Der kommt aber hier derart spanisch und auf Draht daher, dass die Interaktionen mit Shirleys oft hauchduennen und wie gezirpten Cellostrichen und Lingens geraeuschhaft perkussiven Kratzern und Punkten, Tupfern und Schraffuren, seinen aufrauschenden Guessen, den raschelnden und klickenden Akzenten, zu den feinsten gehoeren, die man mit nach Hause nehmen kann. Die prickelnden Hochgeschwindigkeitsarpeggios und die perkussiven Interpunktionen greifen oft wie Zahnraedchen ineinander, ohne dass das Runde ueber das Eckige dominieren wollte oder das Feste ueber das Luftige. Ich will damit nur sagen, dass dieses Scheibchen nicht nur wegen des Covers das Zeug zum Sammlerstueck hat. [BA 73 rbd]